Zwergenbart auf Basis eines Gesichtsabdruck

 

Benötigtes Material:

Diese Anleitung ist für einen Zwergenbart, welcher auf Basis eines Gesichtsabdruckes erstellt wird. Da das Trägermaterial für den Bart Latex ist, kann der Bart als Anklebebart, Umhängebart oder Kombination aus beidem verwendet werden. Die benötigte Menge Kunsthaar bzw. Echthaar hängt von der angestrebten Länge und dem gewünschten Volumen des fertigen Bartes ab. Kunsthaar und Echthaar erhält man z.B. hier: http://www.afrocare.de. Für den hier gebauten Bart wurde "Jumbo Braid Nina Royal 100% Kanekalon" in den Farben "Farbe: 8 - kastanienbraun" und "Farbe: 27 - nusskastanienbraun" verwendet. Dieses Kunsthaar ist in sehr vielen Farben erhältlich und die Zöpfe gibt es in 60, 120 und 200 cm Länge. Verarbeitet wurden 3 1/2 Zöpfe kastanienbraun und 1 1/2 nusskastanienbraun. Ich würde immer zwei bis drei Farben mischen, damit es nicht zu einheitlich wird, denn das sieht dann eher künstlich aus. 

Das Kunsthaar wird als geflochtener Zopf geliefert, welcher oben (= Mitte der Gesamtsträhne) und unten (=  Enden der Gesamtsträhne) mittels Gummibändern zusammengehalten wird. Das Gummi am Ende des Zopfes (bei mir waren es immer schwarze Gummis) entfernen, das am oberen Gummi (bei mir waren es immer beige-gummifarbene Gummis) Ende des Zopfes drin lassen. Den Zopf ausschlagen, indem man ihn an dem Mittelgummi festhält und wie eine Peitsche ausschlägt. Dadurch wird die Flechtung entfernt und man kann den ungeflochtenen Schopf an dem Gummi aufhängen. Ich habe von jeder Farbe (bei mir waren es zwei) je einen ausgeschlagen und nebeneinander aufgehängt. Für die späteren Strähnen schneidet man dann möglichst nah am "Aufhänge-Gummi" Strähnchen ab. Bei dieser Methode ergeben die 120 cm Zöpfe einen Bart von 60 cm Länge, was etwa bis zur Gürtellinie ist, je nach Körpergröße. Kürzere Bärte kann man entweder durch kürzere Zöpfe (gibt es auch in 60 cm Länge, was dann 30 cm Bart ergibt) oder durch Halbieren des 120 cm Zopfes erreichen (was dann einem 60 cm Zopf entspricht). Wenn man den Zopf halbieren möchte, legt man ihn sorgfältig auf einem Tisch aus, knotet in den "neuen" Mitten mit einem festen Faden den Schopf zusammen und schneidet dann den gesamten Zopf am Gummi durch. Längere Bärte erreicht man, indem man an einem Ende mit einem festen Faden den Schopf verknotet und das Gummi durchschneidet. Ein 120 cm langer Bart geht aber schon fast bis zu den Füßen!

Das Trägermaterial

Zuerst zeichnet man mit Bleistift auf den Gesichtsabdruck die spätere "Wuchsfläche" des geplanten Bartes. Da hier ein Zwergenbart eines männlichen Zwerges erstellt werden soll, wird es ein Vollbart werden. Die Form sollte sich an einen realen Vollbart annähern, um den üblichen "geraden Linien"-Bart-Look (bei vielen billigen Kaufbärten der Fall) zu vermeiden.

Dies gibt dann das spätere Trägermaterial, ähnlich der bei Kaufbärten verwendeten Gaze. Damit der Bart stabil wird, trägt man nun mindestens 4 Schichten farblosen Latex auf. Dabei nicht zu sehr über die Linien malen, ideal halt auf der Linie. Zu viele Schichten sollten es aber auch nicht sein, da später durch die Haare noch einiges an Dicke hinzukommt und der Bart sonst zu unflexibel wird und dadurch die Mimik wieder vollständig verschwindet. Das Auftragen der ersten Schicht muss sehr zügig erfolgen, da das Material des Abdruckes das Lösemittel des Latex (Ammoniak-Wasser-Lösung) aufsaugt und daher der Latex sehr schnell trocknet. Ich trage den Latex mit keilförmig geschnittenen Polsterschaumstoff auf, Pinsel geht aber auch. Da man immer wieder für kurze Zeit kleinste Mengen Latex benötig, füllt man diesen am besten in eine kleine, dicht schließende Tupperdose.

 

Die Behaarung oder Ein Bart wächst

Ist das Trägermaterial vorbereitet, geht es daran, Strähnen vorzubereiten. Von den Schöpfen im Wechsel dünne Strähnen abschneiden, um die Farben zu durchmischen. Die Menge sollte zwischen Bleistiftdicke und AA-Batterien-Dicke sein, wenn man die Strähne festhält. Ein Ende der Strähne (am besten die Schnittstellenseite) mit Fön und Kamm auf etwa 4-5 cm Länge glätten. Bei der Arbeit mit dem Fön nicht zu dicht und zu heiß arbeiten. Man muss die Wärme noch ohne weiteres mit der Hand aushalten können.

Die so vorbereitete Strähne wird mit den Magneten auf der Blechtafel fixiert. Die Haare der Strähne gleichmäßig verteilen, indem immer im Wechsel die Magnete angehoben werden, die Strähne etwas aufgefächert wird und dann der Magnet wieder aufgesetzt wird. Ist die Strähne dann schön flach, zwischen den Magneten mit einem Schwammkeil einen etwa 1 bis 2 cm breiten Latexstreifen auftupfen. Dabei ruhig mehr auftragen, damit auch die untenliegenden Haare erfasst werden. Mit der flachen Seite eines Bleistiftes oder eines Schaschlikspießes entlang des Latexstreifens tupfen, um den Latex bis zum Blech durchzudrücken.

Ist das Latex ausgehärtet (mit Fön ist es möglich, dies ein wenig zu beschleunigen), wird der Streifen abgezogen. Die Enden links und rechts so kürzen, dass der Streifen direkt mit Haaren anfängt. Dann den Latexstreifen zu einkürzen, dass zur langen Seite der Strähne etwa 5 mm Latex bleiben. Mit solchen Streifen wird der gesamte Bart aufgebaut. Die Breite der Strähnen kann dann nach Belieben aus den Streifen geschnitten werden. Die Befestigung der Streifen erfolgt, indem auf die Rückseite des Streifens auf die Latexschicht mit dem Schwamm eine frische Lage Latex aufgetragen wird. Mit dieser feuchten Schicht dann die Strähne, mit der geschnittenen Latexkante nach oben, direkt auf das Trägermaterial kleben. Dabei sorgfältig arbeiten, denn es haftet nahezu sofort auf dem Trägermaterial. Um zügiger arbeiten zu können, drückt man den Streifen etwas an und fönt die "Klebestelle" an. Die Kanten des Streifen mit Latex versiegeln und weiter gehts. Anfangen tut man am besten unten am Hals und arbeitet sich nach oben fort. Die nächste Reihe an Strähnen setzt man so an, dass sie mit dem Latexstreifen an den Latexstreifen der unteren Strähne ansetzt oder diese leicht überlappt.

Die Richtung, mit der die Strähne aufgeklebt wird, ändert sich, sobald man in die Nähe der Oberkanten kommt. Wie man sehen kann, sind die Latexstreifen, mit denen die Strähnen befestigt werden sichtbar und sind deutlich als künstlich zu erkennen. Um diese zu überdecken, werden an den Oberkanten des Trägermaterials Streifen angesetzt, die um 180° gedreht sind. Die Latexschnittkante zeigt also nach unten. Die Haare kann man mit dem Fön erwärmen und knicken, so dass die Haare zum Latex in einem 90°- oder größerem Winkel abstehen. Der Kunststoff der Haare ist durch die Wärme in diesen Knicken fixierbar. Mit drei eng gesetzten Streifen dieser Sorte verschwindet der Latexstreifen unter den darüber liegenden Haaren.

Die Kleberichtung der Streifen ist hier mal für den Kinnbereich dargestellt. Die Pfeilspitze zeigt in Richtung der Haare:

Diese Vorgehensweise gilt für alle äußeren Kanten, was bedeutet, dass man z.B. im Wangenbereich oder im Mundwinkelbereich mit Streifen arbeitet, die nur um z.B. 90° gedreht sind. Wichtig ist halt, dass man die Latexstreifen der übrigen Strähnen mit darüber liegenden Haaren verdeckt.

Auf ähnlicher Weise wird der Oberlippenbart gestaltet, nur ist hier noch die Wuchsrichtungsänderung unter der Nase zu erzeugen. Dafür wird zuerst ein Streifen mit der Strähne nach oben angeklebt und dann darunter Strähnen, die um 90° nach links bzw. rechts gedreht sind angeklebt. Die Haare danach immer wieder mit Fön und Druck durch die Finger in die Richtige "Wuchsrichtung" drücken. Die Lage der Streifen sieht dann so aus (Pfeilspitzen sind wieder in Richtung der Haare und die "Pfeilschäfte" sind der Latexstreifen):

Die Wangen dann nach dem selben Prinzip erstellen.

Sobald man den Mundbereich bis auf Höhe der Wangenknochen fertig hat, kann man beginnen Zöpfe für Kinn und Schnurrbart zu flechten. Ich würde auf jeden Fall den Schnurrbart flechten und in den Zopf die Haare an den Rändern des Mundes mit einflechten. Wenn man die Wangen vollständig "behaart" hat, ist der Bart schon fast fertig.

 

Nun werden die Kanten des Bartes noch mal mit Fön, Bürste/Kamm und leichtem drücken mit den Fingern "frisiert", damit die Haare schön nach unten fallen

 Ist das erledigt, kann man sein Werk schon mal bewundern und, wenn man möchte, noch frisieren. Wenn man den Bart nur ankleben möchte, ist man jetzt auch schon fertig. Bei einem Bart wie diesem würde ich aber eine Kombination aus Ankleben und Gummiband empfehlen, da er für einen Bart recht schwer ist. Ein weitere Vorteil von Umhängebärten ist die Möglichkeit, ihn zum Anziehen von Rüstung (KETTENHEMD!) und Gewandung abzulegen und dass man ihn schnell anlegen kann, wenn man ihn abgelegt hatte. Essen und trinken ist, nach meinen Erfahrungen, ohne weiteres möglich, wenn man die Zöpfe im Mundbereich ordentlich gemacht hat, auch ohne Kunsthaar zwischen den Zähnen zu haben. Bei alkoholischen Getränken (auch Bier reicht) gibt normales Mastix aber schnell auf, weil es alkohollöslich ist. Medizinisches Mastix habe ich noch nicht probiert, es soll aber wesentlich besser halten.

 

Die Halterung

Wenn man sich für eine Kombination aus Umhänge-Bart und Anklebe-Bart oder für einen reinen Umhänge-Bart entschieden hat, benötigt man eine Halterung, die den Bart im Gesicht hält. Für die Konstruktion dieser Befestigung sind zwei Zugrichtungen relevant. Zum einen muss der Bart nach oben gezogen werden, damit das Gewicht den Bart nicht nach unten zieht. Weiterhin muss der Bart nach hinten gezogen werden, damit er am Gesicht anliegt. Es müssen also zwei Gummibänder verarbeitet werden. Ideal ist breites Hosengummi in einer  neutralen Farbe wie beige oder hellbraun. Schwarz geht auch, da man sowieso eine Perücke oder eine Kopfbedeckung trägt. Weiß sollte vermieden werden, da es sehr viel zu hell und dadurch sehr schnell erkennbar ist.

Ich habe mich für eine Kombination aus Umhänge-Bart und Anklebe-Bart entschieden. Der Bart wird primär durch die Bänder gehalten, der Mundbereich kann aber zusätzlich angeklebt werden, um die Mimik etwas zu erhalten. Für das Ausmessen der Bänder ist ein Helfer ideal. Man nimmt den Bart von der Form und befestigt mit einer Sicherheitsnadel das Band, das über den Kopf geht, am Bart (den Latex des Trägermaterial dabei durchstechen). Dann hält man sich den Bart an und legt das Band über den Kopf. Das Band muss ganz leicht gespannt sein. Der Helfer fixiert dann das Band mit einer zweiten Sicherheitsnadel. Den Sitz des Bartes und die Spannung des Bandes kontrollieren, indem man den Bart hängen lässt. Er sollte nun allein durch dieses Band an seiner Position bleiben. Ist die Spannung zu groß, das Band etwas länger wählen, rutscht er runter, das Band etwas kürzen. Ist die richtige Länge gefunden, wird das Band eingekürzt, so dass noch jeweils etwa 2 - 3 cm Überlappung mit dem Trägermaterial besteht. Dann die Bänder mit einem stabilem, nicht zu dünnem Garn (Ich habe Perlgarn verwendet) und mit einer möglichst dünnen Nadel annähen. Es reicht, ein 4-Eck zu nähen. Das Band, das um den Hinterkopf geht, bei angelegtem Bart vom Helfer so anstecken lassen, dass es nicht auf den Ohren drückt. Dies ist sehr wichtig, denn auch leichter Druck auf den Ohren wird sehr schnell schmerzhaft. Um auf Nummer sicher zu gehen, das Band 1 cm über dem Ohransatz feststecken. Die Spannung wie beim Überkopf-Band kontrollieren. Ist auch hier die Spannung in Ordnung, das Gummi einkürzen und annähen (wieder im 4-Eck).

Der Bart ist jetzt eigentlich schon fertig. Ich habe noch zwei Zöpfe an den Wangen geflochten, aber das ist optional.

Ein Bild des Bartes in kompletter Gewandung kommt, sobald ich Zeit gefunden habe, eines zu machen.